Die Soor- und Parotitisprophylaxe

Was bedeutet Soor- und Parotitisprophylaxe?
Eine Prophylaxe (lat. pro= vor, zuvor; griech. phylaxis= behüten, schützen, Wach halten) ist eine oder mehrere Maßnahmen, die geplant und durchgeführt werden um Krankheiten oder eine weitere Verschlechterung des aktuellen Krankheitsverlaufes zu vehindern und somit der Erhaltung der Gesundheit.

 

Was ist Soor?
Soor oder auch als Candidiasis bekannt, ist ein cremig- weißer nicht abwischbarer Belag in der Mundhöhle, bevorzugt auf der Zunge und der Wangenschleimhaut. Ausgelöst durch den Hefepilz Candida albicans, der sich physiologisch auf der Haut und Schleimhaut des menschlichen Körpers befindet. Zusammen mit Bakterien bildet der Candida albicans die physiologische Flora der Haut und Schleimhaut, welche dem Schutz des Körpers z.B. vor dem Eindringen von Krankheitserregern dient. Wird diese Flora bei der sich Bakterien und Pilze gegenseitig im Wachstum hemmen gestört und die Zahl der Bakterien verringert, entsteht der sogenannte Soor.

Soor_im_mundraum

Hier kann man deutlich den weißen Belag auf der Zunge erkennen. Es handelt sich hierbei um einen ausgeprägten Soor im Mundraum.

Was ist Parotitis?
Parotitis
ist eine Entzündung der Ohrspeicheldrüse, ausgelöst meist durch Staphylokokken oder Streptokokken. Die durch die Bakterien ausgelöste Entzündung  der unterhalb der Ohren gelegenen Ohrspeicheldrüse, kann sich durch verschiedene Symptome zeigen. Klassisch sind dabei Kau- und Schluckbeschwerden, sowie Schmerzen im Bereich der Ohrspeicheldrüse. Durch den
Ausführungsgang der Ohrspeicheldrüse der zwischen Oberkiefer und Wangentasche im Bereich der hinteren Mahlzähne in den Mundraum mündet, kann es aber auch zu Eiterabfluss kommen. Alsletztes Symptom sollte hier noch das Fieber erwähnt werden, welches aber kein eindeutiges Indiz für eine Parotitis ist.

 

Welche Bewohner sind gefährdet?
Gefährdet ist grundsätzlich jeder Bewohner, da ein Soor oder eine Parotitis auch oftmals ohne nennenswerten Hintergrund oder Vorerkrankung auftreten. Natürlich gibt es auch die sogenannten Risikogruppen. Zu diesen Risikogruppen zählt jeder Bewohner, der in irgendeiner Form in seiner Körper-/ Mundpflege eingeschränkt ist.

Hier gilt natürlich das besondere Augenmerk auf die Mundpflege.
Weitere Risikogruppen sind Bewohner die Medikamente wie Antibiotika, Cortison oder andere Medikamente zur Immunsuppression erhalten. Diese zerstören Bakterien und bringen damit die oben genannte physiologische Flora durcheinander. Ein weiterer großer Punkt sind Menschen die kaum oder keine Nahrung oder Flüssigkeit oral aufnehmen können oder dürfen.
Dieses sind die Hauptrisikogruppen in Pflegeheimen und wie man sieht zählt hier eigentlich schon fast jeder Bewohner in der ein oder anderen Weise hinzu. Vielleicht nicht gerade unter die Hochrisikogruppe aber ein gewisses Risiko besteht.

Der Vollständigkeit wegen nun noch die wichtigsten restlichen Risikogruppen:
- Mundatmer
- Bewohner mit Tracheostoma
- Diabetiker

 

Welche Maßnahmen können zur Prophylaxe von Soor und Parotitis eingeleitet werden?

 

Der wichtigste Punkt bei der Prophylaxe ist die regelmäßige Mundhygiene, sowie die Inspektion des Mundraumes, um eine beginnende Erkrankung frühzeitig zu erkennen und einschreiten zu können. Bei Menschen, die keine Nahrung oder Flüssigkeit oral aufnehmen können oder dürfen, sollte der Mundraum regelmäßig mit Wattestielträgern (auch bekannt als Q- Tips) in Tee oder ähnliches getaucht befeuchtet werden. Damit wird eine ausreichende Befeuchtung des Mundraumes gewährleistet und eine Ansiedlung von pathologischen Bakterien oder Pilzen entgegen gewirkt. Bei Bewohnern die unter eine der oben genannten Risikofaktoren gezählt werden können, solltemindestens  zweimal täglich eine gründliche Mundinspektion durchgeführt werden.

Mindestens alle zwei Stunden sollte der Mund ausreichend befeuchtet werden. Eine ordentliche Mundpflege sollte nach allen Mahlzeiten eine Selbstverständlichkeit dar stellen.

Zur Mundpflege können verschiedene Substanzen eingesetzt werden, die teilweise einer ärztlichen Anordnung bedürfen.

- Kamillentee, entzündungshemmend
- Myrrhetinktur, desinfizierend
- Salbeitee entzündungshemmend, entschleimend
- NaCl 0,9% entschleimend, regt den Speichelfluss an
- „Künstlicher Speichel“ Anfeuchtung der Mundschleimhaut (z.B. Glandosane- Spray (R))
- Antimykotika nach ärztlicher Anordnung, prophylaktisch und therapeutisch bei Soor
- Wasser mit Kohlensäure löst effektiv Beläge, kann für den Bewohner unangenehm sein

Bei Bewohnern die selbstständig eine ausreichende Mundpflege durchführen können, reicht es sie nach Beschwerden zu befragen und bei Beschwerden oder Verdacht eine Mundinspektion durchzuführen.

Ein wichtiger Punkt bei der Soor- und Parotitis Prophylaxe ist das Anregen des Speichelflusses. Dies kann primär durch ausstreichen der Speicheldrüse und massieren der Kaumuskulatur erfolgen. Zusätzlich kann dem Bewohner auch ein sogenanntes „Kausäckchen“ angeboten werden in welches man z.B. Zitronenscheiben oder auch etwas mit dem Lieblingsgeschmack des Bewohners hinein geben und dadurch den Speichelfluss anregen kann . Auch Kaugummis sind eine gute alternative sofern diese vom Bewohner gekannt und toleriert werden. Bewohner die ausreichend Flüssigkeit und Nahrung oral aufnehmen, haben i.d.R. einen ausreichenden Speichelfluss und benötigen keine manuelle Anregung.

Wie geht man mit einem bereits bestehenden Soor bzw. einer bestehenden Parotitis um?
Hat ein Bewohner bereits einen Soor oder eine Parotitis, muss die Diagnose auf jeden Fall von einem Arzt gestellt werden, welcher die weitere Therapie ansetzt. Ein regelmäßiger also täglicher Wechsel von Zahnbürsten wird für die Therapiedauer auf jeden fall empfohlen um einen erneuten Ausbruch der Erkrankung zu verhindern. Die Mundpflege und auch weitere pflegerische Tätigkeiten im Bereich des Mundes sollten mit Handschuhen durchgeführt werden, um eine eventuelle Übertragung zu verhindern. Ebenso ist eine gründliche Reinigung der Hände danach extrem wichtig.

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