Exsikkose- und Dehydratationsprophylaxe

Was ist eine Exsikkose?

Als Exsikkose (lat. ex „aus“ und siccus „trocken“) wird die Austrocknung des Körpers durch Abnahme des Körperwassers bezeichnet, die als Folge einer Dehydratationauftritt.

Wie man eine Exsikkose oder Dehydratation erkennt und welche Symptome auftreten können, werde ich später noch genauer erklären. Ebenso wie man handeln sollte, wenn einem auffällt, dass ein Bewohner zu wenig trinkt.

 

Was ist eine Dehydratation?

Als Dehydratation wird ein Wassermangel des Körpers bezeichnet, der in drei Formen unterschieden wird, die im Folge genauer erklärt werden.

Isotone Dehydratation

Der Verlust von Salz (Natrium, NaCl) und Wasser findet im gleichen Verhältnis statt, damit kommt es zu keiner Verschiebung des osmotischen Druckes. Diese Form tritt meist bei Erbrechen und Durchfall sowie bei einer Mangelzufuhr von Wasser und Natrium auf.

Hypertone Dehydratation

Hier findet ein reiner Wasserverlust statt. Vor allem bei Fieber und übermäßiges Schwitzen bei starker körperlicher Anstreng, da Schweiß hypoton ist und damit wenig Salz enthält, verliert der Körper massiv Wasser und es bleibt viel Salz zurück. Dies kann im Extremfall zum Verdursten führen.

Hypotone Dehydratation

Bei der hypotonen Dehydratation wird mehr Salz als Wasser ausgeschieden. Dies passiert z.B. bei starkem Schwitzen wenn der Wasserausgleich durch reines Wasser erfolgt. Zum Ausgleich reicht Mineralwasser oder Isotone Getränke, die im Vergleich zum Blutplasma Isoton sind. Die Aufnahme von hypertoner Flüssigkeit ist nicht nötig, da der Körper ggf. das überschüssige Wasser über die Nieren ausscheidet.

Welche Bewohner sind gefährdet?

Gefährdet sind ältere Menschen generell. Viele versuchen durch weniges trinken die häufigen Toilettengänge zu vermeiden, da Ihnen diese häufig schwer fallen und sie sich genieren um Hilfe zu fragen. Hinzu kommt oft auch noch eine Demenz die das Trinken einfach vergessen lässt sowie das im Alter nachlassende Durstgefühl. Ein noch wichtiger Punkt sind die Medikamente, insbesondere der Einsatz von Diuretika, welche einen zusätzlichen Wasserverlust und teilweise auch einen zusätzlichen Salzverlust, je nach Medikament, des Körperszur Folge haben.

Was sind Symptome einer Exsikkose bzw. einer Dehydratation?

  • Eine frisch gezogene Hautfalte bleibt stehen
  • Gewichtsverlust ohne andere Erklärung
  • Verwirrtheit
  • Oligurie (wenig Urin) bzw. auch Anurie (kein Urin)
  • Kreislaufbeschwerden
  • Obstipation
  • Thrombose
  • und im schlimmsten Fall Schocksymptomatik und Krampfanfälle

Welche Möglichkeiten der Prophylaxegibt es?

Der wichtigste Punkt ist die Beobachtung der Flüßigkeitsaufnahme und auch die Dokumentation sowie die Beobachtung des Allgemeinzustandes des Bewohners. Treten Veränderungen in Richtung der oben genannten Symptome auf, kann dies das erste Anzeichen einer beginnenden Exsikkose oder Dehydratation sein. Der genaue Bedarf an Flüssigkeit eines jeden Bewohners der gefährdet ist muss errechnet werden und genau die Trinkmenge dokumentiert werden. Hierfür gibt es vom MDK eine Grundsatzstellungnahme in der der genaue Flüssigkeitsbedarf errechnet werden kann.

100 ml je kg für die ersten 10 kg Körpergewicht

50 ml je kg für die zweiten 10 kg Körpergewicht

15 ml für jedes weitere kg Körpergewicht

= Gesamtflüssigkeitsbedarf

– 0,33 ml je zugeführter Kcal

= Trinkflüssigkeitsmenge

Quelle: Grundsatzstellungnahme Ernährung und Flüssigkeitsversorgung älterer Menschen – MDK

Beispiel für einen 75kg schweren Bewohner mit einer Ernährung von 1800 kcal

1000ml für die ersten 10kg

500ml für die zweiten 10kg

825ml für die restlichen 55kg

=2325ml Gesatmflüssigkeitsbedarf

-594ml für die 1800kcal

=1731ml Trinkflüssigkeitsmenge

Der Bewohner müsste also 1731ml täglich trinken. Die Frage ist nun schafft er das aus eigener Initiative? Die Antwort ist in den meisten Fällen: “NEIN”.

Die Pflege muss nun aktiv werden und diesen Bewohner unterstützen um eine Exsikkose oder Dehydratation zu verhindern.

Der wichtigste Teil ist hier erst mal wieder die Anamnese um festzustellen was trinkt denn der Bewohner gerne oder den Bewohner wenn er denn antwortet selber danach fragen und ihm diese Getränke wenn möglich anbieten. Häufig kommt dann wieder die Streitfrage mit dem Kaffee auf. Eine amerikanische Studie hat in 2003 erwiesen, dass es keinen Unterschied macht in der Flüssigkeitsbilanz von Erwachsenen ob sie ihren Bedarf über Wasser, Saft, Kaffee, Cola oder ähnlichem decken. Die Studie wurde im Journal of the American College of Nutrition im April 2003veröffentlicht.

Kann der Bewohner noch selber trinken sollte er in dieser Ressource gefördert werden. Es gibt ausreichend Möglichkeiten auch Bewohner selbstständig trinken zu lassen, die nicht mehr aus einem Glas trinken können. Henkelgläser sind hier nur ein Beispiel. Braucht der Bewohner Hilfe bzw. Unterstützung bei der Aufnahme von Flüssigkeit, sollte dies spätestens alle 2 Stundenerfolgen.

Vergessen werden darf aber auch nicht dass es auch Bewohner mit einer eingeschränkten Flüssigkeitszufuhr gibt und dieses dringend beachtet werden muss, hierzu gehören z.B. Bewohner mit Niereninsuffizienz oder Bewohner die dialysepflichtigsind.

Zur Prophylaxe gehört aber nicht nur das Anbieten und Anreichen von Getränken. Weitere wichtige Punkte sind die Urinbeobachtung, wenn möglich, ist dieser stark konzentriert kann es ein Anzeichen für einen Flüssigkeitsmangel sein. Ebenso die Haut- sowie Bewegungs- und Augenbeobachtung eines Bewohners. Trockene Haut sowie Bewegungsstörungen und eingetrübte, abwesend wirkende Augen können hier ein erstes Anzeichen sein und müssen beachtet werden. Ein ganz wichtiger Punkt ist noch die Bewusstseinslage, wirkt ein Bewohner der normalerweise völlig orientiert ist auf einmal desorientiert oder verwirrt, kann auch dies auf einen Flüssigkeitsmangel hindeuten. Natürlich kann man dies hier nicht pauschalisieren, sondern ist individuell von jedem Bewohner abhängig. Wichtig ist es Veränderungen zu sehen die auf eine Exsikkose hindeuten können und entsprechen zu handeln.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Gabe von subkutan Infusionen, welche Häufig nach ärztlicher Anordnung bei unterschreiten einer bestimmten Trinkmenge gegeben werden. Hier wird eine NaCl 0,9% Infusionslösung nach ärztlicher Anordnung gegeben. Der behandelnde Arzt bestimmt die Trinkmenge bei deren unterschreiten die Infusion gegeben wird sowie die Menge der Infusion. Alternativ zu NaCl 0,9% wird auch Ringer- Lösungeingesetzt.

Was kann ich tun wenn ich eine (beginnende) Exsikkose oder Dehydratationfeststelle?

Zuerst kommt es auf den aktuellen Zustand des Bewohners an. Prinzipiell sollte als erstes versucht werden orale Flüssigkeit anzubieten. Natürlich nur wenn der Bewohner bei Bewusstsein und Ansprechbar ist. Nimmt der Bewohner die Flüssigkeit an, wird sich der Allgemeinzustand in der Regel in kurzer Zeit bessern. Wenn eine Anordnung vor liegt kann auch eine subkutane Infusion gegeben werden. Sollte der Bewohner nicht mehr ansprechbar sein oder das Bewusstsein verlieren ist eine sofortige Verständigung des Rettungsdienstes nötig, sowie das Einleiten von Erste Hilfe Maßnahmen bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes.  In der Regel wird dies aber bei einer guten Beobachtung der Bewohner nicht der Fall sein, da die Anzeichen schon früh erkannt werden sollten.

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